Fredmund Malik — Management als Handwerk

Titel & Einordnung

Fredmund Malik, ehemaliger Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen (HSG) und Leiter des Malik Management Zentrum in St. Gallen, ist eine der wichtigsten Managementstimmen im deutschsprachigen Raum. Sein 2000 erschienenes und 2019 vollständig überarbeitetes Standardwerk Führen Leisten Leben vertritt eine klare These: Management ist kein Talent, sondern ein Handwerk — und wie jedes Handwerk kann man es systematisch erlernen. Das Buch ist die deutschsprachige Antwort auf Peter Drucker und Henry Mintzberg.


Der Inhalt

Die sechs Grundsätze wirksamen Managements

Maliks konzentrierter Kanon:

1. Resultatorientierung nach innen: Malik unterscheidet scharf zwischen “im System arbeiten” und “am System arbeiten”. Resultatorientierung heisst: Sind die Ergebnisse besser als gestern? Nicht: Habe ich mich bemüht?

2. Beitrag zum Ganzen leisten: Jede Funktion, jede Abteilung existiert nur wegen ihres Beitrags zum Gesamtergebnis. Der Einzelne muss immer fragen: Was ist mein Beitrag zum Ganzen?

3. Konzentration auf Weniges: Die grösste Management-Sünde ist die Gleichbehandlung aller Themen. Malik plädiert für kompromisslose Priorisierung: Nicht “wichtig und dringend”, sondern “was sind die 2–3 Dinge, die wirklich einen Unterschied machen?”

4. Stärken nutzen: Nicht Schwächen kompensieren, sondern Stärken entwickeln. Malik zitiert Peter Drucker und knüpft an die Positive Psychologie an, avant la lettre.

5. Vertrauen: Malik sieht Vertrauen als Grundlage jeder Organisation — nicht als “soft skill”, sondern als wirtschaftlich effizientes Prinzip. Kontrolle kostet; Vertrauen spart.

6. Positiv denken: Nicht naiver Optimismus, sondern die Fähigkeit, in jeder Situation die Optionen zu sehen, die sie lösen könnten. [quelle: fredmund-malik-management-handwerk]

Die fünf Management-Aufgaben

Maliks operative Ebene: Jeder Manager hat fünf wiederkehrende Aufgaben — unabhängig von Branche oder Hierarchie:

  1. Ziele setzen
  2. Organisieren
  3. Entscheiden
  4. Kontrollieren
  5. Menschen entwickeln

Diese fünf Aufgaben sind der Massstab, an dem man messen kann: Tue ich alle fünf, oder hänge ich bei einigen fest?

Effektivität vor Effizienz

Malik’s schärfste These: “Effizienz ist, Dinge richtig tun. Effektivität ist, die richtigen Dinge tun.” Die meisten Manager sind effizient — sie tun viele Dinge schnell und richtig. Aber sie sind nicht effektiv — sie optimieren die falschen Variablen. Ein KMU-Patron, der jede Woche 20 Stunden damit verbringt, Prozesse zu optimieren, die niemand mehr braucht, ist effizient, aber nicht effektiv.

Die St. Gallen-Tradition

Malik ist in der Management-Community der DACH-Region ähnlich einflussreich wie Peter Drucker im angelsächsischen Raum — aber pragmatischer und weniger prophetisch. Sein Ansatz ist explizit systemisch: Nicht einzelne Führungskräfte sind das Problem, sondern die Systeme, in denen sie operieren. Das ist der Anschluss an das leadnow-Denken.


Die leadnow-Brille

leadnow sieht: Malik’s sechs Grundsätze und fünf Aufgaben sind umfassend — und genau darin liegt ihre Schwäche: Man bleibt im Beschreiben stecken, statt zu handeln. leadnow ergänzt: Wer auf Wirksamkeit statt auf busyness fokussiert, bewegt sich auf der Selbstwirksamkeits-Achse — aber die entscheidende Frage «Was sind meine 2–3 wichtigsten Ergebnisse diese Woche?» bleibt trotz Malik oft unbeantwortet.

Die Spiegelfrage

Könnte es sein, dass Sie Ihre Zeit und Energie auf die fünf Management-Aufgaben verteilen — aber nicht auf die zwei oder drei, die wirklich einen Unterschied machen, während Sie gleichzeitig die dringenden täglichen Kleinigkeiten mit Effizienz verwechseln?


Der nächste Schritt

Führen Sie in der nächsten Woche ein “Malik-Audit” durch: Für jede Ihrer fünf Management-Aufgaben (Ziele, Organisieren, Entscheiden, Kontrollieren, Entwickeln) — wie viel Zeit verwenden Sie tatsächlich darauf? Die Diskrepanz zwischen dem, was Sie für wichtig halten, und dem, wo Ihre Zeit effektiv hingeht, ist oft überraschend. Mehr zum Thema Führungseffektivität auf dem Radar unter Operative Last.


Verwandte Einträge

  • selbstwirksamkeitsmodell — Malik’s Betonung von Effectiveness ( Wirksamkeit) passt direkt zur Selbstwirksamkeits-Achse: Die Frage, ob man die richtigen Dinge tut, nicht nur ob man sie richtig tut.
  • wirksam-delegieren — Delegation ist einer der Kernpunkte von Malik’s System: Wer wirksam delegiert, tut weniger selbst und entwickelt gleichzeitig seine Mitarbeitenden.
  • reinhard-sprenger — Sprenger und Malik sind Kontrahenten im DACH-Diskurs: Malik sagt “System vor Individuum”, Sprenger sagt “Individuum vor System”. Beide sind wichtig; leadnow sieht die Spannung als produktiv.

Offene Fragen

  • Malik’s System ist stark integrativ — er zieht Drucker, Mintzberg, Porter und andere zusammen. Wenig originäre Forschung, aber hohe Synthesequalität.
  • Die Anwendung in kleineren KMU (5–20 Personen) ist weniger ausgearbeitet als für grössere Unternehmen. Malik denkt oft ab einer gewissen Komplexität.
  • Sein Ansatz ist wertkonservativ und prozessorientiert — was für manche Leser etwas technokratisch wirken kann.

Quellen & Brille-Herkunft

  • Malik, Fredmund (2019). Führen Leisten Leben: Wirksames Management für eine neue Welt. Campus Verlag (völlig überarbeitete Neuauflage). ISBN 978-3593509169.
  • Malik Management Zentrum: https://www.malik-management.ch/
  • Brille erzeugt via Brille-Engine @v1.