Titel & Einordnung

Kumpelfalle — aus dem Leadnow-Wissensarchiv (Phänomene des Führungsalltags / Symptome).

Der Inhalt

“Natürlich erhalte ich nur die langweiligen Projekte wenn die spannenden Arbeiten immer an den Lieblingsmitarbeiter des Chefs zugeteilt werden.”

Teammitglieder beklagen sich offen oder verdeckt über Ungleichbehandlung. Es herrscht Eifersucht und Neid im Team weil sich der Vorgesetzte offensichtlich besser mit gewissen Mitarbeitern versteht als mit anderen. Dies sind Symptome der Kumpelfalle. Wie soll die Führungskraft mit dieser Atmosphäre umgehen?

Hintergrund

Wenn Führungskräfte gewisse Leute im Team bevorzugen, liegt das oft daran, dass diese ähnlich gestrickt sind wie sie selbst. Top Teams dagegen profitieren von der Vielfältigkeit der Meinungen und Ansichten.

Gegenmittel

Suchen Sie Bestätigung von ihren Mitarbeitenden in Ihrem Lösungsansatz, oder sind Sie bereit dazuzulernen und die Argumente anderer anzuhören? Nur wenn man Andersdenkenden gut zuhört, lernt man dazu - und stärkt die Effektivität des Teams.

Das könnte Sie auch interessieren:

Quelle: Lippmann, E. (2018). Handbuch Angewandte Psychologie für Führungskräfte: Führungskompetenz und Führungswissen. Springer.

Die leadnow-Brille

Die Kumpelfalle gehört zu den schmerzhaftesten Fallen, weil sie nicht böswillig entsteht, sondern durch persönliche Nähe: Wer mit manchen Mitarbeitenden «einfacher» kann, bevorzugt sie meist unbewusst, und die übrigen spüren es früher als die Führungskraft selbst. Was der Eintrag im Führungsalltag trotzdem offenlässt: Er benennt die Falle und das Gegenmittel («Andersdenkenden zuhören»), aber er sagt nicht, wie eine Führungskraft die eigene Lieblings-Dynamik in der konkreten Teamsitzung durchbricht. leadnow ergänzt: Im selbstwirksamkeitsmodell ist die Kumpelfalle die getarnte Schwester der expertenfalle — dort bevorzugt die Führungskraft fachlich, hier menschlich; die kuschelfalle tarnt das fehlende Ansprechen als Harmonie, und die Vielfalt des Teams wird zur Ressource, die brachliegt.

Die Spiegelfrage

Könnte es sein, dass Sie in einem Ihrer wichtigsten Teams einen «Liebling» haben — und dass Sie diese Frage heute nicht mit einem klaren «Nein» beantworten würden?

Der nächste Schritt

Erkennen Sie dieses Muster bei sich? Der Leadnow Radar zeigt Ihnen in fünf Minuten, wie ausgeprägt es in Ihrer Organisation ist — anonym und kostenlos.

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Diese Woche ausprobieren

Dieser Eintrag («Kumpelfalle») beschreibt ein Muster. Bevor Sie etwas verändern, lohnt sich die Beobachtungsphase — drei kleine Schritte:

  1. Beobachten, bevor Sie handeln. Notieren Sie eine Woche lang jede Situation, in der das beschriebene Muster bei Ihnen oder im Team auftritt. Keine Bewertung, nur Erfassen.
  2. Eine Mikro-Konsequenz ziehen. Wählen Sie die kleinste wiederkehrende Situation und ändern Sie dort genau Ihren nächsten Schritt — minimal, reversibel, beobachtbar.
  3. Einen Sparringspartner fragen. Erzählen Sie jemandem Ihres Vertrauens eine konkrete Episode aus dieser Woche. Fragen Sie nicht um Rat — fragen Sie: «Was siehst du, was ich nicht sehe?»

Nach einer Woche: ist das Muster noch da, aber jetzt sichtbar? Dann lohnt sich der Leadnow-Radar-Schritt. Ist es nicht mehr aufgetaucht? Dann war es eine Phase, kein Muster — und Sie wissen jetzt, wie Sie es beim nächsten Mal erkennen.

Wann das Wiki nicht reicht

Dieser Eintrag ist eine Diagnose, keine Therapie. Er ist hilfreich, wenn Sie einen Mechanismus erkennen und ein erstes Vokabular dafür haben. Er ist nicht ausreichend, wenn:

  • Akute Krise. Wenn etwas brennt (Mitarbeiter kündigt, Kunde springt ab, Cashflow eng), brauchen Sie kurzfristige Entscheidungshilfe, nicht einen Wiki-Eintrag. Holen Sie sich jemanden an den Tisch, der mit Ihnen in 48 Stunden sortiert — Paten, Beirat, Bank, Coach.
  • Strukturelle Blockaden. Wenn ein Mechanismus seit Jahren besteht und niemand ihn brechen kann, liegt das an Kräften, die ein einzelner Eintrag nicht erreicht: fehlende Eigentümerschaft, dysfunktionale Aufsicht, persönliche Risiken für einzelne Schlüsselpersonen. Das ist Beratung, nicht Information.
  • Eigene Betroffenheit. Wenn Sie gerade mitten in einer Krise stecken, lesen Sie das hier falsch — Sie projizieren Ihre Geschichte in das Muster. Warten Sie drei Tage, lesen Sie dann nochmal.
  • Kulturelle Differenzen. Wenn Ihr Unternehmen in einem anderen rechtlichen, kulturellen oder wirtschaftlichen Kontext arbeitet als hier angenommen (Schweizer KMU), gilt vieles, aber nicht alles. Vergleichen Sie die Annahmen, bevor Sie die Schlüsse übernehmen.

In allen vier Fällen: das Wiki hilft Ihnen, das Muster zu sehen. Es ersetzt nicht die Arbeit, es zu bewegen. Wenn Sie bereit sind zu handeln, aber nicht wissen wo — schreiben Sie uns über den Kontakt am Ende des Eintrags.