Titel & Einordnung
Wieso Krisenmanager tief pokern sollten — aus dem Leadnow-Wissensarchiv (Führungsaufgaben / Delegieren).
Der Inhalt
Wie viel man an die Mitarbeitenden delegiert hängt massgeblich davon ab, wie viel Unsicherheit die Person verarbeiten kann (Siehe Delegation Poker).
Es hängt aber auch stark von der Situation ab. Wenn man sich fragt, in welchen Situationen welche Führungsstile am wirksamsten sind, zeigt sich ein interessantes Muster:
| Situation | Charakter | Führungsstil |
|---|---|---|
| Einfach | Rasch überschaubar, linear, klar | |
| —> Best Practice | Eher tiefe Pokerkarten, eher “direktiv” best practice vorgeben | |
| Kompliziert | Mit genügend Zeit verstehbar | |
| —> Good Practice | So hoch wie möglich pokern. Befähigen, Einbinden, Delegieren. | |
| Komplex | Nach zwei Wochen Analyse verstehe ich, was es vor zwei Wochen gebraucht hätte.. | |
| —> Emergent Practice | So hoch wie möglich pokern. Unnötige Sicherheit wegnehmen, nötige Sicherheit aushalten. | |
| Chaotisch | Die Ereignisse überschlagen sich | |
| —> Novel Practice | Tiefe Pokerkarten. Klare Ansagen! |

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**Quellen: **https://en.wikipedia.org/wiki/Dave_Snowden
Die leadnow-Brille
Die Snowden-Cynefin-Matrix und die Unterscheidung in Best/Good/Emergent/Novel Practice ist eine der wirksamsten Situations-Diagnostiken für Führungskräfte: Sie macht sichtbar, dass derselbe Führungsstil in einfachen Situationen wirkt und in chaotischen schadet — und genau diese Situations-Erkennung ist die Voraussetzung für wirksame Führung. Was die Matrix im Führungsalltag trotzdem offenlässt: Sie sagt, dass Krisenmanager tief pokern sollen, aber sie zeigt wenig Wege, wie eine Führungskraft in einer akuten Krise die Situation korrekt einordnet — die Versuchung, eine chaotische Situation als kompliziert zu behandeln, ist gross und führt zu Fehlentscheidungen. leadnow ergänzt: Im selbstwirksamkeitsmodell ist die Situations-Diagnose die Voraussetzung für Wirksamkeit; die expertenfalle tarnt das schnelle Einordnen als Sachverstand, und die kuschelfalle tarnt das Ignorieren der Situation als Bewahrung der Ruhe.
Die Spiegelfrage
Könnte es sein, dass Sie in einer aktuellen Krise die Situation als «kompliziert» behandeln, obwohl sie «chaotisch» ist — und dass die ehrliche Frage «Sind wir noch in der Analyse-Phase oder schon im Feuer?» der erste Schritt zur richtigen Führungs-Antwort wäre?
Der nächste Schritt
Erkennen Sie dieses Muster bei sich? Der Leadnow Radar zeigt Ihnen in fünf Minuten, wie ausgeprägt es in Ihrer Organisation ist — anonym und kostenlos.
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Diese Woche ausprobieren
Dieser Eintrag («Wieso Krisenmanager tief pokern sollten») beschreibt ein Muster. Bevor Sie etwas verändern, lohnt sich die Beobachtungsphase — drei kleine Schritte:
- Beobachten, bevor Sie handeln. Notieren Sie eine Woche lang jede Situation, in der das beschriebene Muster bei Ihnen oder im Team auftritt. Keine Bewertung, nur Erfassen.
- Eine Mikro-Konsequenz ziehen. Wählen Sie die kleinste wiederkehrende Situation und ändern Sie dort genau Ihren nächsten Schritt — minimal, reversibel, beobachtbar.
- Einen Sparringspartner fragen. Erzählen Sie jemandem Ihres Vertrauens eine konkrete Episode aus dieser Woche. Fragen Sie nicht um Rat — fragen Sie: «Was siehst du, was ich nicht sehe?»
Nach einer Woche: ist das Muster noch da, aber jetzt sichtbar? Dann lohnt sich der Leadnow-Radar-Schritt. Ist es nicht mehr aufgetaucht? Dann war es eine Phase, kein Muster — und Sie wissen jetzt, wie Sie es beim nächsten Mal erkennen.
Wann das Wiki nicht reicht
Dieser Eintrag ist eine Diagnose, keine Therapie. Er ist hilfreich, wenn Sie einen Mechanismus erkennen und ein erstes Vokabular dafür haben. Er ist nicht ausreichend, wenn:
- Akute Krise. Wenn etwas brennt (Mitarbeiter kündigt, Kunde springt ab, Cashflow eng), brauchen Sie kurzfristige Entscheidungshilfe, nicht einen Wiki-Eintrag. Holen Sie sich jemanden an den Tisch, der mit Ihnen in 48 Stunden sortiert — Paten, Beirat, Bank, Coach.
- Strukturelle Blockaden. Wenn ein Mechanismus seit Jahren besteht und niemand ihn brechen kann, liegt das an Kräften, die ein einzelner Eintrag nicht erreicht: fehlende Eigentümerschaft, dysfunktionale Aufsicht, persönliche Risiken für einzelne Schlüsselpersonen. Das ist Beratung, nicht Information.
- Eigene Betroffenheit. Wenn Sie gerade mitten in einer Krise stecken, lesen Sie das hier falsch — Sie projizieren Ihre Geschichte in das Muster. Warten Sie drei Tage, lesen Sie dann nochmal.
- Kulturelle Differenzen. Wenn Ihr Unternehmen in einem anderen rechtlichen, kulturellen oder wirtschaftlichen Kontext arbeitet als hier angenommen (Schweizer KMU), gilt vieles, aber nicht alles. Vergleichen Sie die Annahmen, bevor Sie die Schlüsse übernehmen.
In allen vier Fällen: das Wiki hilft Ihnen, das Muster zu sehen. Es ersetzt nicht die Arbeit, es zu bewegen. Wenn Sie bereit sind zu handeln, aber nicht wissen wo — schreiben Sie uns über den Kontakt am Ende des Eintrags.