Titel & Einordnung

Wie geht es dir? — aus dem Leadnow-Wissensarchiv (Psychologie der Führung / Grundlegendes).

Der Inhalt

Viele Führungskräfte stellen diese Frage nicht gern. Was, wenn die Frage etwas auslöst, das ich nicht handeln kann?

Willkommen in der Lernzone! Gute Zusammenarbeit braucht viel Lernzone! Sonst bleiben die Beziehungen oberflächlich und brüchig.

Man muss keine Therapieausbildung haben, um sich Gutes zu tun. Bei negativen Gefühlen hilft es enorm, mit einer interessierten Person darüber zu reden:

Quelle: Atlas der Emotionen, S. 32

Wer Angst hat, dass diese Frage zu viel auslöst, sollte sich einen Notfallschirm zulegen. Wer Klarheit hat über seine Kompetenzen und Fähigkeiten, kann in solchen Gesprächen auch Klarheit schaffen - was oft als hilfreich erlebt wird:

  • Als Führungskraft ist es mir wichtig zu wissen, wie es meinen Leuten geht. Ein benanntes Problem ist besser als ein nicht benanntes. (Vorhanden ist das Problem ja sowieso - wieso also nicht benennen?
  • Als Führungskraft bin ich KEINE Fachperson für persönliche Probleme. Dies muss ich auch nicht sein! Viel hilfreicher ist so ein Satz: “Ich bin keine Fachperson für solche Dinge. Ich höre dir gerne zu, fühle mich aber nicht kompetent, dir Ratschläge zu geben.”
    Nicht wenige Führungskräfte erliegen dem Denkfehler, überall Optimismus und Kompetenz ausstrahlen zu müssen. Hier ist das schädlich: Zuhören hilft. Nicht Ratschläge. 
  • Wenn die Situation zu schwierig oder problematisch wird, handeln wirksame Führungskräfte wie in allen anderen Themen auch: Sie organisieren fachliche Unterstützung.
  • Tipps für ein gelingendes Gespräch Flyer von www.wie-geht-es-dir.ch

Diese Woche ausprobieren

Dieser Eintrag («Wie geht es dir?») beschreibt ein Muster. Bevor Sie etwas verändern, lohnt sich die Beobachtungsphase — drei kleine Schritte:

  1. Beobachten, bevor Sie handeln. Notieren Sie eine Woche lang jede Situation, in der das beschriebene Muster bei Ihnen oder im Team auftritt. Keine Bewertung, nur Erfassen.
  2. Eine Mikro-Konsequenz ziehen. Wählen Sie die kleinste wiederkehrende Situation und ändern Sie dort genau Ihren nächsten Schritt — minimal, reversibel, beobachtbar.
  3. Einen Sparringspartner fragen. Erzählen Sie jemandem Ihres Vertrauens eine konkrete Episode aus dieser Woche. Fragen Sie nicht um Rat — fragen Sie: «Was siehst du, was ich nicht sehe?»

Nach einer Woche: ist das Muster noch da, aber jetzt sichtbar? Dann lohnt sich der Leadnow-Radar-Schritt. Ist es nicht mehr aufgetaucht? Dann war es eine Phase, kein Muster — und Sie wissen jetzt, wie Sie es beim nächsten Mal erkennen.

Wann das Wiki nicht reicht

Dieser Eintrag ist eine Diagnose, keine Therapie. Er ist hilfreich, wenn Sie einen Mechanismus erkennen und ein erstes Vokabular dafür haben. Er ist nicht ausreichend, wenn:

  • Akute Krise. Wenn etwas brennt (Mitarbeiter kündigt, Kunde springt ab, Cashflow eng), brauchen Sie kurzfristige Entscheidungshilfe, nicht einen Wiki-Eintrag. Holen Sie sich jemanden an den Tisch, der mit Ihnen in 48 Stunden sortiert — Paten, Beirat, Bank, Coach.
  • Strukturelle Blockaden. Wenn ein Mechanismus seit Jahren besteht und niemand ihn brechen kann, liegt das an Kräften, die ein einzelner Eintrag nicht erreicht: fehlende Eigentümerschaft, dysfunktionale Aufsicht, persönliche Risiken für einzelne Schlüsselpersonen. Das ist Beratung, nicht Information.
  • Eigene Betroffenheit. Wenn Sie gerade mitten in einer Krise stecken, lesen Sie das hier falsch — Sie projizieren Ihre Geschichte in das Muster. Warten Sie drei Tage, lesen Sie dann nochmal.
  • Kulturelle Differenzen. Wenn Ihr Unternehmen in einem anderen rechtlichen, kulturellen oder wirtschaftlichen Kontext arbeitet als hier angenommen (Schweizer KMU), gilt vieles, aber nicht alles. Vergleichen Sie die Annahmen, bevor Sie die Schlüsse übernehmen.

In allen vier Fällen: das Wiki hilft Ihnen, das Muster zu sehen. Es ersetzt nicht die Arbeit, es zu bewegen. Wenn Sie bereit sind zu handeln, aber nicht wissen wo — schreiben Sie uns über den Kontakt am Ende des Eintrags.

Quellen

- Stefan Heer (2022) inspiriert vom Allas der Emotionen

Die leadnow-Brille

Die ehrliche Angst «Was, wenn die Frage etwas auslöst, das ich nicht handeln kann?» ist eine der ehrlichsten und häufigsten Führungs-Ängste — und die Antwort («Willkommen in der Lernzone») ist eine der wirksamsten Umdeutungen. Was der Eintrag im Führungsalltag trotzdem offenlässt: Er sagt, dass Zuhören wichtiger ist als Ratschläge, aber er zeigt wenig Wege, wie eine Führungskraft mit der eigenen Hilflosigkeit umgeht, wenn die Antwort auf «Wie geht es dir?» wirklich schwerwiegend ist — und genau diese Aushalt-Fähigkeit ist die seltene Disziplin. leadnow ergänzt: Im selbstwirksamkeitsmodell ist das «Wie geht es dir?» der Lackmustest für Beziehungs-Wirksamkeit; die kuschelfalle tarnt das Vermeiden der Frage als Schutz des Gegenübers, und die expertenfalle tarnt das schnelle Ratschlage-Geben als Sachlichkeit; die ehrliche Grenze «Ich bin keine Fachperson, ich höre zu» ist die Brücke zwischen Empathie und Professionalität.

Die Spiegelfrage

Könnte es sein, dass Sie in einem aktuellen 1:1 die «Wie geht es dir?»-Frage aus Angst vor der Antwort nicht gestellt haben — und dass die ehrliche Antwort auf die Frage «Was genau fürchte ich?» der erste Schritt wäre, die Frage morgen wieder zu stellen?

Der nächste Schritt

Erkennen Sie dieses Muster bei sich? Der Leadnow Radar zeigt Ihnen in fünf Minuten, wie ausgeprägt es in Ihrer Organisation ist — anonym und kostenlos.

Zum Radar →

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