Titel & Einordnung

Unverhandelbares — aus dem Leadnow-Wissensarchiv (Psychologie der Führung / Konflikt).

Der Inhalt

Sie spüren, die Anfrage fühlt sich nicht richtig an. Wenn Sie trotzdem “Ja” sagen, sagen Sie “Nein” zu sich.

Wir alle sollten in gutem Kontakt mit unserem Kreis des Unverhandelbaren sein! Was ist ok, wo beginnt es schwierig zu werden? Und was geht für mich nicht?

Das Unverhandelbare ist nicht fix. Es darf sich wandeln, man darf darum ringen. Das ist sogar wichtig, sonst wird es fundamentalistisch. Nicht selten merkt man erst, dass die rote Linie überschritten wurde, wenn es bereits passiert ist. Auch das ist meistens keine Katastrophe. Wichtig ist einfach zu merken, dass es so ist, und Wege zu suchen, auszusteigen (oder beim nächsten Mal nicht denselben Fehler zu machen). Nach dem Fehler ist vor dem nächsten Fehler.

Sagen Sie ab und zu “Nein” zur Anfrage - und “Ja” zu sich.

Quellen und weiterführende Links

Eine sehr gute Methode, sein Unverhandelbares zu kommunizieren ist Tit for tat.  

Rolf Dobelli beschreibt ein ähnliches Konzept als “Kreis der Würde”.

Die leadnow-Brille

«Wenn du trotzdem Ja sagst, sagst du Nein zu dir» ist eine der wirksamsten Selbstfürsorge-Pointen im Wiki: Sie macht sichtbar, dass jede Zustimmung, die das Unverhandelbare verletzt, eine innere Kündigung ist — und genau diese Kündigung ist der Anfang von Resignation oder Burnout. Was der Eintrag im Führungsalltag trotzdem offenlässt: Er benennt das Unverhandelbare als wandelbar, aber er zeigt wenig Wege, wie eine Führungskraft das eigene Unverhandelbare tatsächlich kommuniziert — und genau diese Kommunikation ist die schwierigste Disziplin. leadnow ergänzt: Im selbstwirksamkeitsmodell ist das Unverhandelbare die Voraussetzung für Wirksamkeit; wer das eigene Unverhandelbare nicht kennt, kann es nicht schützen; die kuschelfalle tarnt das ständige Ja-Sagen als Anpassungsfähigkeit, und die expertenfalle tarnt das Nein als Sachlichkeit.

Die Spiegelfrage

Könnte es sein, dass Sie in der letzten Woche zwei-, dreimal «Ja» gesagt haben, obwohl Ihr Bauch «Nein» sagte — und dass genau diese Zustimmungen der Grund sind, warum Sie sich heute erschöpft fühlen?

Der nächste Schritt

Erkennen Sie dieses Muster bei sich? Der Leadnow Radar zeigt Ihnen in fünf Minuten, wie ausgeprägt es in Ihrer Organisation ist — anonym und kostenlos.

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Diese Woche ausprobieren

Dieser Eintrag («Unverhandelbares») beschreibt ein Muster. Bevor Sie etwas verändern, lohnt sich die Beobachtungsphase — drei kleine Schritte:

  1. Beobachten, bevor Sie handeln. Notieren Sie eine Woche lang jede Situation, in der das beschriebene Muster bei Ihnen oder im Team auftritt. Keine Bewertung, nur Erfassen.
  2. Eine Mikro-Konsequenz ziehen. Wählen Sie die kleinste wiederkehrende Situation und ändern Sie dort genau Ihren nächsten Schritt — minimal, reversibel, beobachtbar.
  3. Einen Sparringspartner fragen. Erzählen Sie jemandem Ihres Vertrauens eine konkrete Episode aus dieser Woche. Fragen Sie nicht um Rat — fragen Sie: «Was siehst du, was ich nicht sehe?»

Nach einer Woche: ist das Muster noch da, aber jetzt sichtbar? Dann lohnt sich der Leadnow-Radar-Schritt. Ist es nicht mehr aufgetaucht? Dann war es eine Phase, kein Muster — und Sie wissen jetzt, wie Sie es beim nächsten Mal erkennen.

Wann das Wiki nicht reicht

Dieser Eintrag ist eine Diagnose, keine Therapie. Er ist hilfreich, wenn Sie einen Mechanismus erkennen und ein erstes Vokabular dafür haben. Er ist nicht ausreichend, wenn:

  • Akute Krise. Wenn etwas brennt (Mitarbeiter kündigt, Kunde springt ab, Cashflow eng), brauchen Sie kurzfristige Entscheidungshilfe, nicht einen Wiki-Eintrag. Holen Sie sich jemanden an den Tisch, der mit Ihnen in 48 Stunden sortiert — Paten, Beirat, Bank, Coach.
  • Strukturelle Blockaden. Wenn ein Mechanismus seit Jahren besteht und niemand ihn brechen kann, liegt das an Kräften, die ein einzelner Eintrag nicht erreicht: fehlende Eigentümerschaft, dysfunktionale Aufsicht, persönliche Risiken für einzelne Schlüsselpersonen. Das ist Beratung, nicht Information.
  • Eigene Betroffenheit. Wenn Sie gerade mitten in einer Krise stecken, lesen Sie das hier falsch — Sie projizieren Ihre Geschichte in das Muster. Warten Sie drei Tage, lesen Sie dann nochmal.
  • Kulturelle Differenzen. Wenn Ihr Unternehmen in einem anderen rechtlichen, kulturellen oder wirtschaftlichen Kontext arbeitet als hier angenommen (Schweizer KMU), gilt vieles, aber nicht alles. Vergleichen Sie die Annahmen, bevor Sie die Schlüsse übernehmen.

In allen vier Fällen: das Wiki hilft Ihnen, das Muster zu sehen. Es ersetzt nicht die Arbeit, es zu bewegen. Wenn Sie bereit sind zu handeln, aber nicht wissen wo — schreiben Sie uns über den Kontakt am Ende des Eintrags.