Titel & Einordnung

Schach spielen — aus dem Leadnow-Wissensarchiv (Psychologie der Führung / Konflikt).

Der Inhalt

Schach spielen mit nur einer Figur wäre schwierig!

Oft werde ich gefragt ob es legitim sei, sich mit Kollegen oder Vorgesetzten abzusprechen vor Sitzungen. Viele Menschen leben im Glauben, dass dies unredlich sei. So gehen sie an die Sitzung, bringen ihr Votum vor und hoffen, dass sie eine Mehrheit finden. Dies wäre wie ein Schachzug zu spielen ohne zu wissen wo alle anderen Figuren stehen. 

Bild: Publicdomainpictures.com

Ich finde es nicht nur legitim, sondern wichtig, seine Figuren vor wichtigen Sitzung in Position zu bringen. Das kann dann so tönen: 

Chef sag mal, wie stehst du zu diesem Thema? Stehe ich hier auf dem Schlauch oder unterstützt du meine Sichtweise? Falls ja, würde ich es an der Sitzung vorbringen. Aber nur, falls du bereit bist, mich zu unterstützen. 

So prüft man seine Ansichten im Vorfeld. Und nicht live, wenns gilt, vor Publikum. 

Achtung: Zwischen Sichtweisen besprechen und Manipulieren ist eine wichtige Grenze. So lange man die Interessen der Organisation im Blick hat ist es hilfreich, seine Schachfiguren zu bündeln. Mit derselben Technik kann man sich auch persönliche Vorteile verschaffen. Das wäre dann Manipulation. 

Fragt die Gegenseite während der Sitzung: “Sagt mal, ihr steckt doch unter einer Decke! Habt ihr euch eigentlich abgesprochen?!?” Dann kann man ruhig antworten: “Selbstverständlich sind wir im Austausch, wie wir die Unternehmensinteressen am besten fördern.”

PS: Die Gegenseite liest mit.

Quellen:

Die Schachmetapher ist von Stefan Heer / Leadnow

Die Haltung, dass man über vieles reden kann ohne andere zu manipulieren ist stark geprägt von Gunther Schmidt. Beim Klären hilft auch Feedback und Tit for tat.

Die leadnow-Brille

Die Schach-Metapher ist eine wirksame Ent-Tabuisierung des Themas «sich vor Sitzungen absprechen»: Sie verschiebt die Frage von «unredlich» zu «vorausschauend» und macht klar, dass nicht-Absprache nicht Naivität, sondern Ineffizienz ist. Was die Metapher im Führungsalltag trotzdem offenlässt: Die Grenze «zwischen Sichtweisen besprechen und Manipulieren» ist eine scharfe Linie, die in der Praxis oft verwischt — und genau diese Linie ist die schwierigste Disziplin, weil sie Selbstreflexion erfordert. leadnow ergänzt: Im selbstwirksamkeitsmodell ist die Schach-Positionierung eine Voraussetzung für Wirksamkeit; wer seine Figuren nicht kennt, spielt nicht Führung, sondern hofft; die kuschelfalle tarnt das fehlende Absprechen als «Demut», und die expertenfalle tarnt das Absprechen als Sachverstand.

Die Spiegelfrage

Könnte es sein, dass Sie in der nächsten wichtigen Sitzung ohne Vorbereitungs-Gespräche hineingehen — und dass Sie heute nicht mehr genau wüssten, wer in der Runde welche Position vertritt?

Der nächste Schritt

Erkennen Sie dieses Muster bei sich? Der Leadnow Radar zeigt Ihnen in fünf Minuten, wie ausgeprägt es in Ihrer Organisation ist — anonym und kostenlos.

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Diese Woche ausprobieren

Dieser Eintrag («Schach spielen») beschreibt ein Muster. Bevor Sie etwas verändern, lohnt sich die Beobachtungsphase — drei kleine Schritte:

  1. Beobachten, bevor Sie handeln. Notieren Sie eine Woche lang jede Situation, in der das beschriebene Muster bei Ihnen oder im Team auftritt. Keine Bewertung, nur Erfassen.
  2. Eine Mikro-Konsequenz ziehen. Wählen Sie die kleinste wiederkehrende Situation und ändern Sie dort genau Ihren nächsten Schritt — minimal, reversibel, beobachtbar.
  3. Einen Sparringspartner fragen. Erzählen Sie jemandem Ihres Vertrauens eine konkrete Episode aus dieser Woche. Fragen Sie nicht um Rat — fragen Sie: «Was siehst du, was ich nicht sehe?»

Nach einer Woche: ist das Muster noch da, aber jetzt sichtbar? Dann lohnt sich der Leadnow-Radar-Schritt. Ist es nicht mehr aufgetaucht? Dann war es eine Phase, kein Muster — und Sie wissen jetzt, wie Sie es beim nächsten Mal erkennen.

Wann das Wiki nicht reicht

Dieser Eintrag ist eine Diagnose, keine Therapie. Er ist hilfreich, wenn Sie einen Mechanismus erkennen und ein erstes Vokabular dafür haben. Er ist nicht ausreichend, wenn:

  • Akute Krise. Wenn etwas brennt (Mitarbeiter kündigt, Kunde springt ab, Cashflow eng), brauchen Sie kurzfristige Entscheidungshilfe, nicht einen Wiki-Eintrag. Holen Sie sich jemanden an den Tisch, der mit Ihnen in 48 Stunden sortiert — Paten, Beirat, Bank, Coach.
  • Strukturelle Blockaden. Wenn ein Mechanismus seit Jahren besteht und niemand ihn brechen kann, liegt das an Kräften, die ein einzelner Eintrag nicht erreicht: fehlende Eigentümerschaft, dysfunktionale Aufsicht, persönliche Risiken für einzelne Schlüsselpersonen. Das ist Beratung, nicht Information.
  • Eigene Betroffenheit. Wenn Sie gerade mitten in einer Krise stecken, lesen Sie das hier falsch — Sie projizieren Ihre Geschichte in das Muster. Warten Sie drei Tage, lesen Sie dann nochmal.
  • Kulturelle Differenzen. Wenn Ihr Unternehmen in einem anderen rechtlichen, kulturellen oder wirtschaftlichen Kontext arbeitet als hier angenommen (Schweizer KMU), gilt vieles, aber nicht alles. Vergleichen Sie die Annahmen, bevor Sie die Schlüsse übernehmen.

In allen vier Fällen: das Wiki hilft Ihnen, das Muster zu sehen. Es ersetzt nicht die Arbeit, es zu bewegen. Wenn Sie bereit sind zu handeln, aber nicht wissen wo — schreiben Sie uns über den Kontakt am Ende des Eintrags.