Titel & Einordnung

Rahmenbedingungen (für Entscheide) — aus dem Leadnow-Wissensarchiv (Führungsaufgaben / Entscheiden).

Der Inhalt

Führung, Zusammenarbeit, Entscheide - all das passiert immer innerhalb von Rahmenbedingungen. 

Wer delegiert, muss sich im Vorfeld überlegen: Was ist mir wichtig, bei der Lösung? Weil es gibt nichts demotivierenderes für Mitarbeitende, als eine Lösung vorzustellen, nur um zu hören: “Aber so hab ich mir das nicht vorgestellt”. Spielregeln während des Spiels zu ändern geht gar nicht. 

Wer delegiert, überlegt sich die Spielregeln zuvor - also die Rahmenbedingungen:

  • Was muss die Lösung erfüllen?
  • Was darf sie kosten (Zeit, Geld)?
  • Welche Aspekte sind mir wichtig, was unbedingt, was auf keinen Fall?
  • usw…

Wenn dann die Lösung kommt, gibt es genau zwei Varianten:

  1. Die Lösung erfüllt die Rahmenbedingungen —> Sie wird ohne Wenn und Aber umgesetzt
  2. Die Lösung erfüllt die Rahmenbedingungen nicht —> Rückmeldung, darauf Hinweisen

In der realen Welt kommt es oft zur Variante 1b.) Die vom Mitarbeiter vorgestellte Lösung erfüllt die Rahmenbedingungen. Erst dann erkennt man, dass eine wichtige Rahmenbedingung vergessen ging, die nicht erfüllt ist. 

Hier ist Authentizität gefragt. Zum Beispiel:

“Danke vielmals für die Arbeit. Dank ihr haben wir gelernt, dass ein wichtiger Aspekt vergessen ging. Es ist mir klar, dass wir die Regeln während dem Spiel ändern. Wir haben jedoch dazugelernt und wollen diesen Aspekt berücksichtigen. “

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Quellen:

Die leadnow-Brille

«Spielregeln vor dem Spiel festlegen» ist eine der wirksamsten Delegations-Disziplinen: Sie verhindert, dass die Führungskraft die Lösung des Mitarbeitenden nachträglich zerstört, weil sie vergessen hat, eine Bedingung zu nennen. Was die Anleitung im Führungsalltag trotzdem offenlässt: Sie sagt, dass Rahmenbedingungen vorab geklärt werden müssen, aber nicht, wie eine Führungskraft mit der «echten Welt»-Situation umgeht, in der nachträglich eine Bedingung hinzukommt — und genau diese Authentizität im Eingeständnis ist die seltene Disziplin. leadnow ergänzt: Im selbstwirksamkeitsmodell sind klare Rahmenbedingungen die Voraussetzung für Selbstwirksamkeit im Team; die expertenfalle tarnt das nachträgliche Ändern als Sachverstand, und die kuschelfalle tarnt das Schweigen als Respekt vor der Mitarbeitenden-Lösung.

Die Spiegelfrage

Könnte es sein, dass Sie in der letzten Woche eine Lösung präsentiert bekommen haben, bei der Sie dachten «so hatte ich mir das nicht vorgestellt» — und dass die ehrliche Antwort ist, dass Sie die entsprechende Rahmenbedingung schlicht nicht vorher genannt haben?

Der nächste Schritt

Erkennen Sie dieses Muster bei sich? Der Leadnow Radar zeigt Ihnen in fünf Minuten, wie ausgeprägt es in Ihrer Organisation ist — anonym und kostenlos.

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Diese Woche ausprobieren

Dieser Eintrag («Rahmenbedingungen (für Entscheide)») beschreibt ein Muster. Bevor Sie etwas verändern, lohnt sich die Beobachtungsphase — drei kleine Schritte:

  1. Beobachten, bevor Sie handeln. Notieren Sie eine Woche lang jede Situation, in der das beschriebene Muster bei Ihnen oder im Team auftritt. Keine Bewertung, nur Erfassen.
  2. Eine Mikro-Konsequenz ziehen. Wählen Sie die kleinste wiederkehrende Situation und ändern Sie dort genau Ihren nächsten Schritt — minimal, reversibel, beobachtbar.
  3. Einen Sparringspartner fragen. Erzählen Sie jemandem Ihres Vertrauens eine konkrete Episode aus dieser Woche. Fragen Sie nicht um Rat — fragen Sie: «Was siehst du, was ich nicht sehe?»

Nach einer Woche: ist das Muster noch da, aber jetzt sichtbar? Dann lohnt sich der Leadnow-Radar-Schritt. Ist es nicht mehr aufgetaucht? Dann war es eine Phase, kein Muster — und Sie wissen jetzt, wie Sie es beim nächsten Mal erkennen.

Wann das Wiki nicht reicht

Dieser Eintrag ist eine Diagnose, keine Therapie. Er ist hilfreich, wenn Sie einen Mechanismus erkennen und ein erstes Vokabular dafür haben. Er ist nicht ausreichend, wenn:

  • Akute Krise. Wenn etwas brennt (Mitarbeiter kündigt, Kunde springt ab, Cashflow eng), brauchen Sie kurzfristige Entscheidungshilfe, nicht einen Wiki-Eintrag. Holen Sie sich jemanden an den Tisch, der mit Ihnen in 48 Stunden sortiert — Paten, Beirat, Bank, Coach.
  • Strukturelle Blockaden. Wenn ein Mechanismus seit Jahren besteht und niemand ihn brechen kann, liegt das an Kräften, die ein einzelner Eintrag nicht erreicht: fehlende Eigentümerschaft, dysfunktionale Aufsicht, persönliche Risiken für einzelne Schlüsselpersonen. Das ist Beratung, nicht Information.
  • Eigene Betroffenheit. Wenn Sie gerade mitten in einer Krise stecken, lesen Sie das hier falsch — Sie projizieren Ihre Geschichte in das Muster. Warten Sie drei Tage, lesen Sie dann nochmal.
  • Kulturelle Differenzen. Wenn Ihr Unternehmen in einem anderen rechtlichen, kulturellen oder wirtschaftlichen Kontext arbeitet als hier angenommen (Schweizer KMU), gilt vieles, aber nicht alles. Vergleichen Sie die Annahmen, bevor Sie die Schlüsse übernehmen.

In allen vier Fällen: das Wiki hilft Ihnen, das Muster zu sehen. Es ersetzt nicht die Arbeit, es zu bewegen. Wenn Sie bereit sind zu handeln, aber nicht wissen wo — schreiben Sie uns über den Kontakt am Ende des Eintrags.