Titel & Einordnung
Notwendige Unsicherheit - Nicht notwendige Unsicherheit — aus dem Leadnow-Wissensarchiv (Psychologie der Führung / Emotionen).
Der Inhalt
Führungskräfte, die alle Unsicherheit von ihren Mitarbeitenden fernzuhalten versuchen, stecken in der Kuschelfalle.
Wirksame Führung mutet den Mitarbeitenden Unsicherheit zu. Jedoch ausschliesslich die notwendige Unsicherheit.
- Entwicklung findet nur statt, wenn Unsicherheit bearbeitet und überwunden wird (wenn man lernt, mit der Unsicherheit zu tanzen).
- Delegieren funktioniert nur, wenn auch eine Prise Unsicherheit mitdelegiert wird.
- Verantwortung gehört zu jeder Rolle mit dazu. Und Verantwortung bedeutet auch Unsicherheit.
Wirksame Führung vermeidet nicht notwendige Unsicherheit. Dies sind jegliche Formen der Unsicherheit, welche nicht zu obigen Themen beitragen: Welche der Entwicklung nicht dienlich sind. Welche nicht helfen, Verantwortung zu übernehmen oder eine delegierte Aufgabe zu meistern. Häufigste Quellen nicht notwendiger Unsicherheit sind:
- Ausgelebter Ärger des Vorgesetzten: “Das kommt mir nicht nochmal vor!”
- Zu hoher Druck: Sobald die Unsicherheit zu hoch wird, ist sie schädlich für Mensch und Ziele.
- Unklare Delegation: “Du machst das schon gut.” … “Aber doch nicht so!!!”
Quelle
Diesen Zusammenhang erforschte Stefan Heer 2013 im Rahmen seiner Masterarbeit: “Die menschliche Seite der Innovation.”
Die leadnow-Brille
Die Unterscheidung in notwendige und nicht-notwendige Unsicherheit ist eine der präzisesten Führungs-Heuristiken: Sie macht sichtbar, dass Unsicherheit nicht per se schlecht ist, sondern dosiert werden muss — wie ein Medikament, das in der richtigen Dosis heilt und in der falschen schadet. Was die Heuristik im Führungsalltag trotzdem offenlässt: Sie sagt, dass Delegation «eine Prise Unsicherheit» braucht, aber nicht, wie viel das genau ist — und die Dosierung ist kontextabhängig und bei jedem Mitarbeitenden anders. leadnow ergänzt: Im selbstwirksamkeitsmodell ist notwendige Unsicherheit die Voraussetzung für Wachstum; die kuschelfalle ist die Versuchung, jede Unsicherheit fernzuhalten, und die expertenfalle die Versuchung, mehr Unsicherheit zuzumuten als der Mitarbeitende tragen kann.
Die Spiegelfrage
Könnte es sein, dass Sie in einem aktuellen Team mehr Unsicherheit vermeiden als nötig — oder mehr zumuten als das Team tragen kann — und dass die ehrliche Antwort auf die Frage «Welche Unsicherheit ist hier notwendig?» der erste Schritt zur richtigen Dosierung wäre?
Der nächste Schritt
Erkennen Sie dieses Muster bei sich? Der Leadnow Radar zeigt Ihnen in fünf Minuten, wie ausgeprägt es in Ihrer Organisation ist — anonym und kostenlos.
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Diese Woche ausprobieren
Dieser Eintrag («Notwendige Unsicherheit - Nicht notwendige Unsicherheit») beschreibt ein Muster. Bevor Sie etwas verändern, lohnt sich die Beobachtungsphase — drei kleine Schritte:
- Beobachten, bevor Sie handeln. Notieren Sie eine Woche lang jede Situation, in der das beschriebene Muster bei Ihnen oder im Team auftritt. Keine Bewertung, nur Erfassen.
- Eine Mikro-Konsequenz ziehen. Wählen Sie die kleinste wiederkehrende Situation und ändern Sie dort genau Ihren nächsten Schritt — minimal, reversibel, beobachtbar.
- Einen Sparringspartner fragen. Erzählen Sie jemandem Ihres Vertrauens eine konkrete Episode aus dieser Woche. Fragen Sie nicht um Rat — fragen Sie: «Was siehst du, was ich nicht sehe?»
Nach einer Woche: ist das Muster noch da, aber jetzt sichtbar? Dann lohnt sich der Leadnow-Radar-Schritt. Ist es nicht mehr aufgetaucht? Dann war es eine Phase, kein Muster — und Sie wissen jetzt, wie Sie es beim nächsten Mal erkennen.
Wann das Wiki nicht reicht
Dieser Eintrag ist eine Diagnose, keine Therapie. Er ist hilfreich, wenn Sie einen Mechanismus erkennen und ein erstes Vokabular dafür haben. Er ist nicht ausreichend, wenn:
- Akute Krise. Wenn etwas brennt (Mitarbeiter kündigt, Kunde springt ab, Cashflow eng), brauchen Sie kurzfristige Entscheidungshilfe, nicht einen Wiki-Eintrag. Holen Sie sich jemanden an den Tisch, der mit Ihnen in 48 Stunden sortiert — Paten, Beirat, Bank, Coach.
- Strukturelle Blockaden. Wenn ein Mechanismus seit Jahren besteht und niemand ihn brechen kann, liegt das an Kräften, die ein einzelner Eintrag nicht erreicht: fehlende Eigentümerschaft, dysfunktionale Aufsicht, persönliche Risiken für einzelne Schlüsselpersonen. Das ist Beratung, nicht Information.
- Eigene Betroffenheit. Wenn Sie gerade mitten in einer Krise stecken, lesen Sie das hier falsch — Sie projizieren Ihre Geschichte in das Muster. Warten Sie drei Tage, lesen Sie dann nochmal.
- Kulturelle Differenzen. Wenn Ihr Unternehmen in einem anderen rechtlichen, kulturellen oder wirtschaftlichen Kontext arbeitet als hier angenommen (Schweizer KMU), gilt vieles, aber nicht alles. Vergleichen Sie die Annahmen, bevor Sie die Schlüsse übernehmen.
In allen vier Fällen: das Wiki hilft Ihnen, das Muster zu sehen. Es ersetzt nicht die Arbeit, es zu bewegen. Wenn Sie bereit sind zu handeln, aber nicht wissen wo — schreiben Sie uns über den Kontakt am Ende des Eintrags.