Titel & Einordnung

Lukas Michel, in der Schweiz (Quartino, TI) ansässig, ist Gründer von Management Insights und seit über 25 Jahren in der Management-Forschung und -Beratung tätig. Er ist Associate der Peter Drucker Society und Autor mehrerer Bücher, darunter The Performance Triangle, Diagnostic Mentoring und People-Centric Management. [quelle: management-design-michel] Management Design. Managing People and Organizations in Turbulent Times (LID Publishing, London, 3. Auflage 2021, ISBN 978-1-911671-67-1) [quelle: management-design-michel] ist das verbindende Werk dieser Reihe: Es macht Management als explizite Design-Disziplin sichtbar — und damit überhaupt erst zum Gegenstand von Führungsverantwortung.

Der Inhalt

Kernthese. Michel vertritt die Position, dass Management immer gestaltet ist — entweder bewusst oder durch Unterlassung. Die meisten Organisationen führen in einem Modus, den er “unmanaged” nennt: Die Design-Entscheidungen werden getroffen, aber sie werden nicht sichtbar gemacht, nicht diskutiert, nicht verantwortet. Das Modell will diese impliziten Entscheidungen explizit und diskutierbar machen.

Drei Beobachtungspunkte. Das Buch identifiziert drei Achsen, an denen sich Management-Design zeigt:

  • Wie Verhalten entsteht. Welche Routinen, Prozesse und Strukturen formen das Verhalten der Mitarbeitenden — und welche wurden bewusst gewählt, welche einfach übernommen?
  • Warum Fragmentierung entsteht. Wenn Management-Design nicht gepflegt wird, zerfällt eine Organisation nicht in Chaos, sondern in eine Ansammlung inkompatibler lokaler Logiken. Jeder Bereich hat seine eigene, oft unsichtbare Spielregel.
  • Wo implizite Wahl die explizite verdrängt. Die gefährlichste Form von Management ist die, die ihre Entscheidungen nicht mehr als Entscheidungen markiert. Sie wird zur “Natur” der Organisation. [quelle: management-design-michel]

Methode. Das Buch arbeitet mit Grafiken, Diagrammen und Modellen — Michel positioniert Management-Modelle nicht als Theorie, sondern als Denk-Hilfen, die es Führungskräften erlauben, “to think, make decisions, behave and act in line with the company’s overall strategy”. [quelle: management-design-michel] Visuell gestaltet von Thomas Wickart, ist der Band Teil des Körpers “Clarity Before Change”.

Forschungsbasis. Michel stützt sein Werk nach eigenen Angaben auf Längsschnittdaten von 500 Organisationen und Befragungen von 10’000 Führungskräften in 15 Ländern. [quelle: management-design-michel] Zu den Forschungspartnern gehören Prof. Dr. Herb Nold (USA) und Guido Bosbach (Deutschland).

Verbindung zum Organization Twin. Michel arbeitet parallel am Konzept The Organization Twin — einem Reflexionsinstrument, das Organisationen erlaubt, ihre eigene Realität sichtbar zu machen, ohne in Schuldzuweisung oder Bewertung zu verfallen. Management Design liefert das konzeptuelle Rückgrat, der Organization Twin die Anwendungs-Architektur.

Verortung im Feld. Michel reiht sich in die angelsächsisch-europäische Linie von Peter Drucker (Management by Objectives), Henry Mintzberg (organisatorische Wirklichkeit) und Russell Ackoff (Systeme) ein, ohne eine klassische MBO-Doktrin zu vertreten. Der Akzent liegt auf Sichtbarmachung, nicht auf Kontrolle.

Die leadnow-Brille

Michel benennt eine Stelle, die viele KMU-CEOs unterschätzen: Die unsichtbaren Routinen, Sitzungskulturen und Entscheidungspfade in Ihrer Organisation sind Design. Sie wurden entweder bewusst gewählt — oder sie wurden hinterlassen. Genau hier kippt der selbstwirksamkeitsmodell-Achse: Eine Führungskraft, die ihre eigene Organisation nicht als Design-Aufgabe liest, bleibt im bemühten Modus, weil sie an Symptomen repariert, ohne das unsichtbare Gerüst zu sehen. Was leadnow ergänzt: Michel liefert die Landkarte, aber nicht den Antrieb. Den Antrieb liefert der energiekreislauf-der-fuehrung — die Frage, warum eine Führungskraft überhaupt den Blick auf das eigene Design wagen sollte. Die Grenze: Das Modell bleibt analytisch.

Die Spiegelfrage

Könnte es sein, dass die Art, wie in Ihrer Organisation entschieden, gemessen und Feedback gegeben wird, weniger Ausdruck einer bewussten Design-Entscheidung ist und mehr die Summe von Übernommenem und Gewachsenem — und dass Sie die Macht über Ihr eigenes Management genau dort verloren haben, wo Sie es am wenigsten bemerken?

Der nächste Schritt

Nehmen Sie sich 30 Minuten mit Ihrer GL: Listen Sie drei Routinen auf, die in Ihrer Organisation tatsächlich laufen (nicht die, die im Handbuch stehen). Fragen Sie für jede: Wann wurde sie bewusst entschieden? Wer hat sie entschieden? Und wäre sie heute noch die erste Wahl? Sie werden merken, wie viel Design-Entscheidungen in Ihrer Organisation lebt, die niemand mehr verantwortet. Der Leadnow Radar zeigt Ihnen, wieweit Ihre offiziellen Management-Routinen noch zu Ihrer tatsächlichen Organisation passen — und wo der erste Design-Hebel ansetzt.

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Verwandte Einträge

  • selbstwirksamkeitsmodell — Michel liefert die konzeptuelle Karte, das Selbstwirksamkeits-Modell die Energie, mit der die Karte überhaupt erst lesbar wird.
  • energiekreislauf-der-fuehrung — unsichtbares Design zu sehen kostet Energie; wer sie hat, kann handeln.
  • organisationsdynamiken — Michel verortet sich in der gleichen soziologischen Tradition, die Kühl ausbuchstabiert.
  • edgar-schein-organisationskultur — Michel ergänzt Schein um die Design-Perspektive: Kultur ist gestaltbar, aber nur, wenn man sie als Design begreift.
  • performance-triangle — Michels eigenes Performance Triangle ist die Vorarbeit zu Management Design.
  • brauchbare-illegalitaet-kuehl — Kühls «brauchbare Illegalität» ist die Schwesterthese zu Michels «unmanaged Design»: beides macht Unsichtbares sichtbar.

Offene Fragen

  • 2026-07-08: Michel beruft sich auf 500 Organisationen und 10’000 Führungskräfte in 15 Ländern. Die genaue Methodik der Längsschnitt-Studie ist auf der öffentlichen Website nicht offengelegt. Wie belastbar sind die quantitativen Versprechen?
  • 2026-07-08: Das Modell ist konzeptuell anspruchsvoll. Welche Übersetzung in eine einfache Heuristik funktioniert für KMU-GLs, die keine Beratungs-Sprache sprechen?
  • 2026-07-08: Michel vermeidet moralische Bewertung. Aber wie geht ein Team mit einer “sichtbar gemachten” Design-Entscheidung um, die eindeutig dysfunktional ist und deren Auflösung schmerzhaft wäre? Wo endet die analysefreundliche Haltung?

Quellen