Titel & Einordnung

Halt und Orientierung geben — aus dem Leadnow-Wissensarchiv (Psychologie der Führung / Grundlegendes).

Der Inhalt

Die grundlegende Funktion der Führung ist:**  Den Mitarbeitenden Halt und Orientierung geben. **

Dieser Artikel zeigt anhand unterschiedlicher Beispiele, dass es immer darum geht, Halt und Orientierung zu geben. Es gibt sehr viele unterschiedliche Arten, dies zu tun. Alle haben Vor- und Nachteile. Sämtliche Führungsansätze lassen sich dadurch charakterisieren, wie sie Halt und Orientierung geben. Die “beste” Führungsart gibt es nicht (schon gar nicht absolut betrachtet) - sehr wohl gibt es je nach Situation wirksame Führung. Wirksam ist Führung dann, wenn die Vorteile die Nachteile überwiegen.

Der Leadnow-Navigator zeigt, wie Führung bei den Mitarbeitenden wirkt. Wirksame Führung ist im Mittelband, zwischen L und D. Dort ist der Optimaldruck. Dieser entsteht, wenn das Ziel klar ist (Orientierung) und wenn es motivierend, als herausfordernd aber erreichbar wahrgenommen wird. 

Orientierung entsteht durch Zielfokus (beim “L”): Hier geht es darum, dass die Ziele klar sind.

**Halt entsteht durch Mensch-Orientierung  **(beim “D”): Hier geht es darum, eine gute Beziehung zu seinen Zielen aufzubauen. Mache ich das für mich, fürs Geld, fürs Unternehmen? Kann ich es schaffen? Was wenn nicht? 

Sämtliche Führungsstile lassen sich in eine einfache Ordnung bringen: Wie wird Halt und Orientierung erzeugt?

 | Orientierung durch Zielvorgaben
Halt ist Privatsache
| Halt durch Ringen nach Zielen
Orientierung entsteht gemeinsam

---|---|---
Vorteile| - schnell (effizien)
- präzis
- wenig Initialaufwand| - effektiv
- resilient
- stärkt Identifikation
Nachteile| - fragil
- nicht Identifikationsfördernd| - hoher Initialaufwand
- hat Eigendynamik
Beispiel Führungsstile| Führungsstil| Halt und Orientierung durch:| Führungsstil| Halt und Orientierung durch:
Autokratisch| Bürokratisch|  |  
Patriarchal| Den Patron als Gesamtkunstwerk (L’état c’est moi)| Kooperativ| Gemeinsame Regeln
Bürokratisch| Prozesse, Vorgaben, Regeln| Partizipativ| Gemeinsame Regeln
Transaktional| Prozesse, Vorgaben, Regeln| Soziokratisch| Gemeinsame Regeln
MbO| Vorgegebene Ziele| Transformational| Werte, Visionen und Co.

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Quellen

Max Weber beschrieb die vier Führungsstile: Autokratisch, Patriarchalisch, Bürokratisch und Charismatisch

Taylorismus

Kurt Lewin beschreibt ergänzend, teils überschneidend: Autoritär, Kooperativ, Laissez-Faire

Die leadnow-Brille

Die Idee, dass jede Führungsart sich als Mischung aus «Halt» und «Orientierung» charakterisieren lässt, ist eine elegante Vereinfachung: Sie reduziert ein unübersichtliches Feld auf zwei Achsen und macht die jeweiligen Vor- und Nachteile sichtbar. Was das 2×2 im Führungsalltag trotzdem offenlässt: Es zeigt, welche Stile existieren, aber nicht, wann welcher Stil wirksam ist — und die Diagnose der passenden Situation ist die eigentliche Führungsaufgabe. leadnow ergänzt: Im selbstwirksamkeitsmodell sind Halt und Orientierung die zwei Achsen, an denen die Führungskraft Wirksamkeit erzeugt — Halt ohne Orientierung wird zur kuschelfalle, Orientierung ohne Halt wird zur expertenfalle; die leadnow-Brille fragt nicht «Welcher Stil?», sondern «Welcher Mix in dieser Situation für diese Person?».

Die Spiegelfrage

Könnte es sein, dass Sie in Ihrer Führungspraxis eine der beiden Achsen deutlich bevorzugen — und dass Sie heute nicht mehr spontan benennen könnten, wann Sie zum letzten Mal bewusst in die andere Achse gewechselt haben?

Der nächste Schritt

Erkennen Sie dieses Muster bei sich? Der Leadnow Radar zeigt Ihnen in fünf Minuten, wie ausgeprägt es in Ihrer Organisation ist — anonym und kostenlos.

Zum Radar →

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Diese Woche ausprobieren

Dieser Eintrag («Halt und Orientierung geben») beschreibt ein Muster. Bevor Sie etwas verändern, lohnt sich die Beobachtungsphase — drei kleine Schritte:

  1. Beobachten, bevor Sie handeln. Notieren Sie eine Woche lang jede Situation, in der das beschriebene Muster bei Ihnen oder im Team auftritt. Keine Bewertung, nur Erfassen.
  2. Eine Mikro-Konsequenz ziehen. Wählen Sie die kleinste wiederkehrende Situation und ändern Sie dort genau Ihren nächsten Schritt — minimal, reversibel, beobachtbar.
  3. Einen Sparringspartner fragen. Erzählen Sie jemandem Ihres Vertrauens eine konkrete Episode aus dieser Woche. Fragen Sie nicht um Rat — fragen Sie: «Was siehst du, was ich nicht sehe?»

Nach einer Woche: ist das Muster noch da, aber jetzt sichtbar? Dann lohnt sich der Leadnow-Radar-Schritt. Ist es nicht mehr aufgetaucht? Dann war es eine Phase, kein Muster — und Sie wissen jetzt, wie Sie es beim nächsten Mal erkennen.

Wann das Wiki nicht reicht

Dieser Eintrag ist eine Diagnose, keine Therapie. Er ist hilfreich, wenn Sie einen Mechanismus erkennen und ein erstes Vokabular dafür haben. Er ist nicht ausreichend, wenn:

  • Akute Krise. Wenn etwas brennt (Mitarbeiter kündigt, Kunde springt ab, Cashflow eng), brauchen Sie kurzfristige Entscheidungshilfe, nicht einen Wiki-Eintrag. Holen Sie sich jemanden an den Tisch, der mit Ihnen in 48 Stunden sortiert — Paten, Beirat, Bank, Coach.
  • Strukturelle Blockaden. Wenn ein Mechanismus seit Jahren besteht und niemand ihn brechen kann, liegt das an Kräften, die ein einzelner Eintrag nicht erreicht: fehlende Eigentümerschaft, dysfunktionale Aufsicht, persönliche Risiken für einzelne Schlüsselpersonen. Das ist Beratung, nicht Information.
  • Eigene Betroffenheit. Wenn Sie gerade mitten in einer Krise stecken, lesen Sie das hier falsch — Sie projizieren Ihre Geschichte in das Muster. Warten Sie drei Tage, lesen Sie dann nochmal.
  • Kulturelle Differenzen. Wenn Ihr Unternehmen in einem anderen rechtlichen, kulturellen oder wirtschaftlichen Kontext arbeitet als hier angenommen (Schweizer KMU), gilt vieles, aber nicht alles. Vergleichen Sie die Annahmen, bevor Sie die Schlüsse übernehmen.

In allen vier Fällen: das Wiki hilft Ihnen, das Muster zu sehen. Es ersetzt nicht die Arbeit, es zu bewegen. Wenn Sie bereit sind zu handeln, aber nicht wissen wo — schreiben Sie uns über den Kontakt am Ende des Eintrags.