Titel & Einordnung

Gesundheitsorientierte Führung — aus dem Leadnow-Wissensarchiv (Führungsaufgaben / Allgemeines).

Der Inhalt

Für was sollen wir denn noch alles Zuständig sein?
(Führungskraft)

In den letzten 20 Jahren sind Arbeitsausfälle aus psychischen Gründen um 50% gestiegen (1).

Ob sich Führungskräfte mitverantwortlich sehen für die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden, ist die eine Frage. 

Ob sie wesentlichen Einfluss darauf haben, ist das Andere - und klar mit “Ja” zu beantworten.

Jörg Felfe fasst seine Forschung unter dem Titel “Gesundheitsorientierte Führung” zusammen (Health oriented Leadership HoL). Viele Führungsansätze enthalten Führungsaufgaben, welche in Zusammenhang mit Gesundheit stehen. HoL macht diese Aufgabe explizit.

(1) Studie eines grossen deutschen Krankenversicherers, Basis ca 14 Mio. Versicherte.

Die leadnow-Brille

Felfes «Health oriented Leadership» macht eine oft ignorierte Wahrheit sichtbar: Führungskräfte haben nicht nur Einfluss auf die Performance, sondern auch auf die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden — und damit eine Verantwortung, die selten so klar benannt wird. Was der Artikel im Führungsalltag trotzdem offenlässt: Er konstatiert die Verantwortung, ohne das konkrete Repertoire zu liefern — welche Verhaltensweisen wirken gesundheitsförderlich, welche wirken toxisch, und wie misst eine Führungskraft die eigene Wirkung? leadnow ergänzt: Im selbstwirksamkeitsmodell ist Gesundheit die Voraussetzung für Wirksamkeit — nicht im Sinne von «nicht krank», sondern im Sinne von Energie und Belastbarkeit; die kuschelfalle tarnt das fehlende Ansprechen von Überlastung als Respekt vor der Privatsphäre, und die expertenfalle tarnt es als fachliche Notwendigkeit.

Die Spiegelfrage

Könnte es sein, dass Sie einen Mitarbeitenden haben, dessen Gesundheit Sie seit Monaten beobachten, ohne es anzusprechen — und dass das Schweigen nicht Fürsorge, sondern Vermeidung ist?

Der nächste Schritt

Erkennen Sie dieses Muster bei sich? Der Leadnow Radar zeigt Ihnen in fünf Minuten, wie ausgeprägt es in Ihrer Organisation ist — anonym und kostenlos.

Zum Radar →

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Diese Woche ausprobieren

Dieser Eintrag («Gesundheitsorientierte Führung») beschreibt ein Muster. Bevor Sie etwas verändern, lohnt sich die Beobachtungsphase — drei kleine Schritte:

  1. Beobachten, bevor Sie handeln. Notieren Sie eine Woche lang jede Situation, in der das beschriebene Muster bei Ihnen oder im Team auftritt. Keine Bewertung, nur Erfassen.
  2. Eine Mikro-Konsequenz ziehen. Wählen Sie die kleinste wiederkehrende Situation und ändern Sie dort genau Ihren nächsten Schritt — minimal, reversibel, beobachtbar.
  3. Einen Sparringspartner fragen. Erzählen Sie jemandem Ihres Vertrauens eine konkrete Episode aus dieser Woche. Fragen Sie nicht um Rat — fragen Sie: «Was siehst du, was ich nicht sehe?»

Nach einer Woche: ist das Muster noch da, aber jetzt sichtbar? Dann lohnt sich der Leadnow-Radar-Schritt. Ist es nicht mehr aufgetaucht? Dann war es eine Phase, kein Muster — und Sie wissen jetzt, wie Sie es beim nächsten Mal erkennen.

Wann das Wiki nicht reicht

Dieser Eintrag ist eine Diagnose, keine Therapie. Er ist hilfreich, wenn Sie einen Mechanismus erkennen und ein erstes Vokabular dafür haben. Er ist nicht ausreichend, wenn:

  • Akute Krise. Wenn etwas brennt (Mitarbeiter kündigt, Kunde springt ab, Cashflow eng), brauchen Sie kurzfristige Entscheidungshilfe, nicht einen Wiki-Eintrag. Holen Sie sich jemanden an den Tisch, der mit Ihnen in 48 Stunden sortiert — Paten, Beirat, Bank, Coach.
  • Strukturelle Blockaden. Wenn ein Mechanismus seit Jahren besteht und niemand ihn brechen kann, liegt das an Kräften, die ein einzelner Eintrag nicht erreicht: fehlende Eigentümerschaft, dysfunktionale Aufsicht, persönliche Risiken für einzelne Schlüsselpersonen. Das ist Beratung, nicht Information.
  • Eigene Betroffenheit. Wenn Sie gerade mitten in einer Krise stecken, lesen Sie das hier falsch — Sie projizieren Ihre Geschichte in das Muster. Warten Sie drei Tage, lesen Sie dann nochmal.
  • Kulturelle Differenzen. Wenn Ihr Unternehmen in einem anderen rechtlichen, kulturellen oder wirtschaftlichen Kontext arbeitet als hier angenommen (Schweizer KMU), gilt vieles, aber nicht alles. Vergleichen Sie die Annahmen, bevor Sie die Schlüsse übernehmen.

In allen vier Fällen: das Wiki hilft Ihnen, das Muster zu sehen. Es ersetzt nicht die Arbeit, es zu bewegen. Wenn Sie bereit sind zu handeln, aber nicht wissen wo — schreiben Sie uns über den Kontakt am Ende des Eintrags.