Titel & Einordnung
Do-it-yourself-Falle — aus dem Leadnow-Wissensarchiv (Phänomene des Führungsalltags / Symptome).
Der Inhalt
Dem Team geht es relativ gut. Die Vorgesetzte Person ist arg gefordert und arg genervt. Sie hat das Gefühl, ihre Mitarbeitenden seien inkompetent.

Hintergrund
Wenn eine Arbeit nicht korrekt erledigt wird, hat die vorgesetzte Person im Wesentlichen zwei Möglichkeiten:
A) Zurück an den Absender
B) Selber erledigen
Variante A braucht etwas Mut. Denn jemandem zu sagen, dass seine oder ihre Leistung Luft nach Oben hat, bedeutet für viele Menschen, in die Lernzone zu gehen.
Deshalb ziehen viele Führungskräfte Variante B vor. Es ist ja rasch erledigt und nicht so schlimm. Es kostet ja mehr Aufwand, es zu erklären, anstatt es gleich selbst zu erledigen.
Wer sich solche Dinge einredet, sabotiert sich selbst! Natürlich ist es einfacher, die Fehler der anderen selber zu reparieren, anstatt sie damit zu konfrontieren. Die Konsequenzen jedoch sind fatal: Die anderen lernen, entweder, dass alles ok ist, oder dass der Chef dann schon schaut. Und sie gewöhnen sich daran.
Gegenmittel
Als Führungskraft soll man sich nicht fragen: “Was ist einfacher”. Sondern: “Was ist wirksamer?”
Es kommt nicht drauf an, wie gross der Fehler und die Korrektur ist. Viel wichtiger ist, die Mitarbeitenden in den Optimaldruck zu bringen (Vgl. LN-Modell). Je nach Situation schaut das Gegenmittel für die Do-it-yourself-Falle unterschiedlich aus:
| Nr. | Situation | Gegenmittel | Begründung |
|---|---|---|---|
| 1 | Lappalie, die der MA wissen müsste | Zeitnah und ohne grosses Aufsehen zurück an Absender. | Sehr wirksame Vorgesetzte klären ihre Erwartungen früh - bei den einfachen Themen. Und haben es dadurch später viel einfacher. |
| 2 | Wenns schnell gehen muss | Selber erledigen, zeitnahes Feedback an Absender: Du ich habe gemacht, es musste schnell gehen, bitte schau nächstes Mal darauf | Manchmal braucht es Variante B. Dann braucht es jedoch zwingend ein Feedback dazu, sonst sitzt man in der Kompensationsfalle |
| 3 | MA überfordert | Zusammensitzen: Schauen wir gemeinsam, wie du es schaffen kannst, dass dies nicht mehr passiert | Zurück an den Absender ist nur wirksam, wenn es den Absender nicht überfordert. Hier ist die Vorgesetzte Person als Coach gefordert, um den MA weiterzubringen. |
| 4 | Es passiert wiederholt | Im Rahmen von 1:1 Feedback: Es kam mehrmals vor - Ich erwarte von dir, dass du dies meisterst - wie lösen wir das? - wann überprüfen wir das Ergebnis? | Schleifen sich ungewünschte Muster ein, müssen sie ans Licht! Hier helfen Feedback-Regeln. |
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- Die Do-it-yourself-Falle ist verwandt mit der Schwamm-drüber-Falle: Wer Fehler von Mitarbeitenden immer selbst ausbügelt, sagt “Schwamm drüber”.
- Feedback- Regeln gegen unerwünschte Muster
Quellen
Bild: Christian Nänny
Text: Stefan Heer
Die leadnow-Brille
Die Do-it-yourself-Falle gehört zu den häufigsten und am schwierigsten zu erkennenden Mustern: Die Führungskraft ist nicht faul, sondern überlastet — und aus der Überlastung wird die Überzeugung, dass nur sie selbst es richtig machen kann. Was die Falle im Führungsalltag trotzdem offenlässt: Sie verkleidet sich als Pflichtbewusstsein («die anderen können es halt nicht so»), ist aber in Wahrheit eine Mischung aus Kontrollbedürfnis und fehlendem Vertrauen in die Wirksamkeit anderer. leadnow ergänzt: Im selbstwirksamkeitsmodell ist die Do-it-yourself-Falle das Gegenteil von Selbstwirksamkeits-Delegation; die Führungskraft glaubt, sie könne nur selbst wirken, und raubt damit dem Team jede Chance, selbst wirksam zu werden; die expertenfalle ist die Schwester, die das Do-it-yourself intellektuell rechtfertigt.
Die Spiegelfrage
Könnte es sein, dass Sie in der letzten Woche eine Aufgabe übernommen haben, die ein Mitarbeitender hätte lernen können — und der einzige Grund, warum Sie es selbst gemacht haben, Ihr eigenes Misstrauen in seine Tragfähigkeit war?
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Diese Woche ausprobieren
Dieser Eintrag («Do-it-yourself-Falle») beschreibt ein Muster. Bevor Sie etwas verändern, lohnt sich die Beobachtungsphase — drei kleine Schritte:
- Beobachten, bevor Sie handeln. Notieren Sie eine Woche lang jede Situation, in der das beschriebene Muster bei Ihnen oder im Team auftritt. Keine Bewertung, nur Erfassen.
- Eine Mikro-Konsequenz ziehen. Wählen Sie die kleinste wiederkehrende Situation und ändern Sie dort genau Ihren nächsten Schritt — minimal, reversibel, beobachtbar.
- Einen Sparringspartner fragen. Erzählen Sie jemandem Ihres Vertrauens eine konkrete Episode aus dieser Woche. Fragen Sie nicht um Rat — fragen Sie: «Was siehst du, was ich nicht sehe?»
Nach einer Woche: ist das Muster noch da, aber jetzt sichtbar? Dann lohnt sich der Leadnow-Radar-Schritt. Ist es nicht mehr aufgetaucht? Dann war es eine Phase, kein Muster — und Sie wissen jetzt, wie Sie es beim nächsten Mal erkennen.
Wann das Wiki nicht reicht
Dieser Eintrag ist eine Diagnose, keine Therapie. Er ist hilfreich, wenn Sie einen Mechanismus erkennen und ein erstes Vokabular dafür haben. Er ist nicht ausreichend, wenn:
- Akute Krise. Wenn etwas brennt (Mitarbeiter kündigt, Kunde springt ab, Cashflow eng), brauchen Sie kurzfristige Entscheidungshilfe, nicht einen Wiki-Eintrag. Holen Sie sich jemanden an den Tisch, der mit Ihnen in 48 Stunden sortiert — Paten, Beirat, Bank, Coach.
- Strukturelle Blockaden. Wenn ein Mechanismus seit Jahren besteht und niemand ihn brechen kann, liegt das an Kräften, die ein einzelner Eintrag nicht erreicht: fehlende Eigentümerschaft, dysfunktionale Aufsicht, persönliche Risiken für einzelne Schlüsselpersonen. Das ist Beratung, nicht Information.
- Eigene Betroffenheit. Wenn Sie gerade mitten in einer Krise stecken, lesen Sie das hier falsch — Sie projizieren Ihre Geschichte in das Muster. Warten Sie drei Tage, lesen Sie dann nochmal.
- Kulturelle Differenzen. Wenn Ihr Unternehmen in einem anderen rechtlichen, kulturellen oder wirtschaftlichen Kontext arbeitet als hier angenommen (Schweizer KMU), gilt vieles, aber nicht alles. Vergleichen Sie die Annahmen, bevor Sie die Schlüsse übernehmen.
In allen vier Fällen: das Wiki hilft Ihnen, das Muster zu sehen. Es ersetzt nicht die Arbeit, es zu bewegen. Wenn Sie bereit sind zu handeln, aber nicht wissen wo — schreiben Sie uns über den Kontakt am Ende des Eintrags.