Titel & Einordnung

Delegation Poker — aus dem Leadnow-Wissensarchiv (Führungsaufgaben / Delegieren).

Der Inhalt

Wirksame Führungskräfte delegieren so stark wie möglich – aber nicht zu stark, sonst überfordern sie die Mitarbeitenden. 

Um mehr Einblick in die Subtilitäten des Delegierens zu erlangen empfiehlt sich das Spiel Delegation Poker auszuprobieren. Das Spiel funktioniert nach folgendem Grundsatz. Sieben Spielkarten beschreiben die Möglichkeiten zwischen Verkünden (1) und Delegieren (7):

Quelle Bild und Spiel: Management 3.0

Der Sinn des Spiels ist es, das optimale Mass beim Delegieren zu finden. Hintergründe sind hier erklärt.

Es gibt verschiedene Spielvarianten, je nach Ausgangslage (und Lust), die im Folgenden beschrieben sind.

1) Basis-Spielregeln

Setting: Ideal mit 5-7 Personen. Funktioniert auch mit ein paar mehr oder weniger. Auch für Nicht-Führungskräfte!

 

  1.  Ein Spieler beschreibt eine Situation, bei der in irgend einer Form angeleitet oder delegiert werden muss. Fragen werden geklärt, sodass die Situation allen Mitspielenden klar ist.

  2.  Alle Mitspielenden entscheiden sich für eine Karte, wie sie sich in dieser Situation verhalten würden (1-7). Auf Kommando legen alle ihre gewählte Karte auf den Tisch.

  3.  Die höchste Karte erhält keine Punkte, ausser 50% oder mehr der Spielenden haben auf dieselbe Karte gesetzt. Alle anderen erhalten Punkte entsprechend der Kartenpunktzahl (1-7)

  4.  Viel wichtiger als Punkte zählen ist auszudiskutieren, warum welche Punktzahl gespielt wurde, und die Runden zu wiederholen.

 

2) Spielvarianten

Es ist wie bei einem guten Schweizer Jass: 20% Spielen und 80% Diskutieren ist ideal. Denn beim Diskutieren lernt man fast noch mehr als beim Spielen. Wichtig ist jedoch, die Diskussion alle 10 Minuten zu unterbrechen, und eine Runde zu Spielen: “Aufgrund der jetzigen Situation / Info, was würdet ihr für eine Karte spielen?”

Gute Fragen für Folgerunden sind:

- Warum hast du deine Meinung geändert, und eine andere Karte gespielt als zu Beginn?

- Warum hast du deine Meinung nicht geändert, und dieselbe Karte gespielt?

- Was müsste passieren, dass du eine andere Karte spielst? Was würde dich überzeugen?

Eine Zählvariante ist, nicht nur jene zu bestrafen, die zu hoch pokern, sondern auch jene, die zu tief pokern. Hier kriegen sowohl die höchsten als auch die tiefsten Minderheiten keine Punkte. Ansonsten schneiden konstant defensive Führungskräfte manchmal etwas zu gut ab.

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Quellen: -

Die leadnow-Brille

Delegation Poker ist eine elegante Operationalisierung: Die sieben Stufen zwischen Verkünden und Delegieren werden zur Diskussionsgrundlage, und die Spannung zwischen «was würdest du tun?» und «was würde die Person, mit der du arbeitest, akzeptieren?» wird sichtbar gemacht. Was das Spiel im Führungsalltag trotzdem offenlässt: Es misst die Selbsteinschätzung der Führungskraft, nicht die Belastbarkeit des Mitarbeitenden — und wer zu hoch pokert, weil alle anderen im Raum auch hoch pokern, lernt nichts über die echten Grenzen. leadnow ergänzt: Im selbstwirksamkeitsmodell ist Delegation Poker der Versuch, die Wirksamkeits-Asymmetrie zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden sichtbar zu machen; die expertenfalle zeigt sich genau dort, wo die Führungskraft glaubt, delegieren zu können, ohne die Empfänger-Seite wirklich zu kennen.

Die Spiegelfrage

Könnte es sein, dass Sie bei der letzten Delegation eine Stufe höher pokerten, als der Mitarbeitende tatsächlich tragen konnte — und dass die expertenfalle nicht im Wissen, sondern in der wahrgenommenen Empfänger-Seite lag?

Der nächste Schritt

Erkennen Sie dieses Muster bei sich? Der Leadnow Radar zeigt Ihnen in fünf Minuten, wie ausgeprägt es in Ihrer Organisation ist — anonym und kostenlos.

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Diese Woche ausprobieren

Dieser Eintrag («Delegation Poker») beschreibt ein Muster. Bevor Sie etwas verändern, lohnt sich die Beobachtungsphase — drei kleine Schritte:

  1. Beobachten, bevor Sie handeln. Notieren Sie eine Woche lang jede Situation, in der das beschriebene Muster bei Ihnen oder im Team auftritt. Keine Bewertung, nur Erfassen.
  2. Eine Mikro-Konsequenz ziehen. Wählen Sie die kleinste wiederkehrende Situation und ändern Sie dort genau Ihren nächsten Schritt — minimal, reversibel, beobachtbar.
  3. Einen Sparringspartner fragen. Erzählen Sie jemandem Ihres Vertrauens eine konkrete Episode aus dieser Woche. Fragen Sie nicht um Rat — fragen Sie: «Was siehst du, was ich nicht sehe?»

Nach einer Woche: ist das Muster noch da, aber jetzt sichtbar? Dann lohnt sich der Leadnow-Radar-Schritt. Ist es nicht mehr aufgetaucht? Dann war es eine Phase, kein Muster — und Sie wissen jetzt, wie Sie es beim nächsten Mal erkennen.

Wann das Wiki nicht reicht

Dieser Eintrag ist eine Diagnose, keine Therapie. Er ist hilfreich, wenn Sie einen Mechanismus erkennen und ein erstes Vokabular dafür haben. Er ist nicht ausreichend, wenn:

  • Akute Krise. Wenn etwas brennt (Mitarbeiter kündigt, Kunde springt ab, Cashflow eng), brauchen Sie kurzfristige Entscheidungshilfe, nicht einen Wiki-Eintrag. Holen Sie sich jemanden an den Tisch, der mit Ihnen in 48 Stunden sortiert — Paten, Beirat, Bank, Coach.
  • Strukturelle Blockaden. Wenn ein Mechanismus seit Jahren besteht und niemand ihn brechen kann, liegt das an Kräften, die ein einzelner Eintrag nicht erreicht: fehlende Eigentümerschaft, dysfunktionale Aufsicht, persönliche Risiken für einzelne Schlüsselpersonen. Das ist Beratung, nicht Information.
  • Eigene Betroffenheit. Wenn Sie gerade mitten in einer Krise stecken, lesen Sie das hier falsch — Sie projizieren Ihre Geschichte in das Muster. Warten Sie drei Tage, lesen Sie dann nochmal.
  • Kulturelle Differenzen. Wenn Ihr Unternehmen in einem anderen rechtlichen, kulturellen oder wirtschaftlichen Kontext arbeitet als hier angenommen (Schweizer KMU), gilt vieles, aber nicht alles. Vergleichen Sie die Annahmen, bevor Sie die Schlüsse übernehmen.

In allen vier Fällen: das Wiki hilft Ihnen, das Muster zu sehen. Es ersetzt nicht die Arbeit, es zu bewegen. Wenn Sie bereit sind zu handeln, aber nicht wissen wo — schreiben Sie uns über den Kontakt am Ende des Eintrags.