Titel & Einordnung
Die GL will es so. — aus dem Leadnow-Wissensarchiv (Führungsaufgaben / Entscheiden).
Der Inhalt
Ich versteh dich ja - aber die GL will es so.
Man kann nicht nicht kommunizieren. Wer diesen Satz zu einem Mitarbeitenden sagt, der sagt auch:
“Ich bin eine Marionette der GL. Ich setze durch, was sie entscheiden.”
Dies ist aus mehreren Gründen fatal:
- Es macht Mitarbeitende oft wütend und hilflos, weil sie können sich gar nicht wehren. Die Kommunikation kommt als Einbahnstrasse daher. Die GL will es so, egal was du dazu denkst und was die Konsequenzen sind. Rascher und nachhaltiger kann man Motivation fast nicht abbauen.
- Es macht die Führungskraft wirkungslos! Zur Marionette.
Es ist verlockend, sich als Führungskraft aus der Schusslinie zu nehmen, indem man der GL die Verantwortung zuschiebt. Oder den Regeln: “Schau, so sind halt unsere Regeln”. Verlockend - und fatal. Denn wer sich aus der Schusslinie nimmt, nimmt sich ganz aus der Gleichung.
Natürlich kann und darf man sich auf GL und Regeln beziehen - aber man muss sich selbst in der Gleichung drin lassen:
- Ich stehe hinter diesem Entscheid der GL und ich will, dass wir das Beste draus machen.
- Diese Regeln sind mir wichtig, denn sie schaffen auch eine gewisse Gerechtigkeit.
- Ich will mich an XYZ halten. Falls du sagst, es gehe nicht, dann lass uns genau beschreiben, was denn genau die Konsequenzen wären
Diese Woche ausprobieren
Dieser Eintrag («Die GL will es so.») beschreibt ein Muster. Bevor Sie etwas verändern, lohnt sich die Beobachtungsphase — drei kleine Schritte:
- Beobachten, bevor Sie handeln. Notieren Sie eine Woche lang jede Situation, in der das beschriebene Muster bei Ihnen oder im Team auftritt. Keine Bewertung, nur Erfassen.
- Eine Mikro-Konsequenz ziehen. Wählen Sie die kleinste wiederkehrende Situation und ändern Sie dort genau Ihren nächsten Schritt — minimal, reversibel, beobachtbar.
- Einen Sparringspartner fragen. Erzählen Sie jemandem Ihres Vertrauens eine konkrete Episode aus dieser Woche. Fragen Sie nicht um Rat — fragen Sie: «Was siehst du, was ich nicht sehe?»
Nach einer Woche: ist das Muster noch da, aber jetzt sichtbar? Dann lohnt sich der Leadnow-Radar-Schritt. Ist es nicht mehr aufgetaucht? Dann war es eine Phase, kein Muster — und Sie wissen jetzt, wie Sie es beim nächsten Mal erkennen.
Wann das Wiki nicht reicht
Dieser Eintrag ist eine Diagnose, keine Therapie. Er ist hilfreich, wenn Sie einen Mechanismus erkennen und ein erstes Vokabular dafür haben. Er ist nicht ausreichend, wenn:
- Akute Krise. Wenn etwas brennt (Mitarbeiter kündigt, Kunde springt ab, Cashflow eng), brauchen Sie kurzfristige Entscheidungshilfe, nicht einen Wiki-Eintrag. Holen Sie sich jemanden an den Tisch, der mit Ihnen in 48 Stunden sortiert — Paten, Beirat, Bank, Coach.
- Strukturelle Blockaden. Wenn ein Mechanismus seit Jahren besteht und niemand ihn brechen kann, liegt das an Kräften, die ein einzelner Eintrag nicht erreicht: fehlende Eigentümerschaft, dysfunktionale Aufsicht, persönliche Risiken für einzelne Schlüsselpersonen. Das ist Beratung, nicht Information.
- Eigene Betroffenheit. Wenn Sie gerade mitten in einer Krise stecken, lesen Sie das hier falsch — Sie projizieren Ihre Geschichte in das Muster. Warten Sie drei Tage, lesen Sie dann nochmal.
- Kulturelle Differenzen. Wenn Ihr Unternehmen in einem anderen rechtlichen, kulturellen oder wirtschaftlichen Kontext arbeitet als hier angenommen (Schweizer KMU), gilt vieles, aber nicht alles. Vergleichen Sie die Annahmen, bevor Sie die Schlüsse übernehmen.
In allen vier Fällen: das Wiki hilft Ihnen, das Muster zu sehen. Es ersetzt nicht die Arbeit, es zu bewegen. Wenn Sie bereit sind zu handeln, aber nicht wissen wo — schreiben Sie uns über den Kontakt am Ende des Eintrags.
Quellen und weiterführende Links
Dieses Verhalten tritt oft in der Kuschelfalle auf
Stefan Heer (2022)
Die leadnow-Brille
«Ich versteh dich ja — aber die GL will es so» ist einer der häufigsten Sätze in mittelgrossen Schweizer KMU, und einer der giftigsten: Er entkoppelt die Führungskraft vom Entscheid, suggeriert Empathie, die nicht da ist, und gibt die Verantwortung an eine nicht anwesende Instanz ab. Was der Satz im Führungsalltag anrichtet: Er zerstört Vertrauen in beide Richtungen — der Mitarbeitende fühlt sich nicht gehört, die GL wird zur ungreifbaren Autorität. leadnow ergänzt: Im selbstwirksamkeitsmodell ist dieser Satz das Eingeständnis, dass die Führungskraft sich nicht wirksam genug fühlt, um die Entscheidung selbst zu vertreten; die kuschelfalle ist die Schwester, die Empathie simuliert, ohne Konsequenz.
Die Spiegelfrage
Könnte es sein, dass Sie in einem Gespräch der letzten zwei Wochen diesen Satz oder eine Variante davon gebraucht haben — und dass Sie heute nicht mehr genau wüssten, was die GL eigentlich wollte?
Der nächste Schritt
Erkennen Sie dieses Muster bei sich? Der Leadnow Radar zeigt Ihnen in fünf Minuten, wie ausgeprägt es in Ihrer Organisation ist — anonym und kostenlos.